02.01.2019

Risikovorsorge muss endlich Unternehmersache werden

Liebe Bäuerinnen, liebe Bauern, liebe Verbandsmitglieder,

das zu Ende gehende Jahr 2018 war mit Sicherheit eines der schwierigsten, wenn nicht sogar das verlustreichste Jahr seit der Wiedervereinigung. Zur Ernte gab es fast nichts Positives zu berichten. Die Ertragsausfälle aufgrund der extremen Dürre haben in unseren Betrieben tiefe Spuren hinterlassen. Bei Marktfrüchten reichte es vielfach kaum, um die abgeschlossenen Kontrakte zu erfüllen und im Futterbau plagt uns die Frage, wie bekommen wir unsere Tiere über den bevorstehenden Winter. Letzteres führte in der Wiederkäuerhaltung in zahlreichen Betrieben zum Tierbestandsabbau. Dies wiederum hatte und hat auch seine Auswirkungen im Schlachtviehmarkt, indem die Preise seinerseits nachgaben. Lediglich bei Wein und Honig gab es Positives zu berichten.
Nun war die Dürre nicht nur ein Problem im Freistaat Sachsen, sondern ein weit darüber hinausgehende nationale Katastrophe. Nach langer Verweigerung des Bundes musste auch dieser, wenn auch spät, die nationale Betroffenheit anerkennen. In der ersten Reaktion nannte Joachim Rukwied, Präsident des Deutschen Bauernverbandes, eine Schadensumme von einer Milliarde Euro. Heute wissen wir, dass es das Drei- bis Vierfache ist. Allein bei uns in Sachsen hatten wir im Oktober 2018 gemeinsam mit dem Sächsischen Staatsministerium für Umwelt und Landwirtschaft 307 Millionen Euro Schaden dem Bund angezeigt. Die darauf folgende Bund-Länder-Vereinbarung zur Dürrehilfe hat viele Hoffnungen bei uns schnell wieder begraben. So musste als erste Zugangsvoraussetzung ein Naturalertragsverlust von mindestens 30 Prozent gegenüber den Vorjahren nachgewiesen werden. Das war aber bei weitem nicht alles. Hinzu kamen der Cash Flow III, dessen Berechnung kaum jemand zuvor kannte, die Einhaltung willkürlich festgelegter Prosperitätsgrenzen von 80.000 bzw. 120.000 Euro der letzten Einkommensteuererklärung und nicht zuletzt noch die Offenlegung des persönlichen, kurzfristig verfügbaren Vermögens. All das führt dazu, dass trotz der betrieblichen Notlagen die zur Verfügung stehenden Hilfsgelder für Sachsen in Höhe von reichlich 44 Millionen Euro nicht vollständig in Anspruch genommen werden können. Unser Landesbauernverband hat stets bei einem Naturalertragsverlust größer 30 Prozent eine Antragstellung empfohlen, auch wenn einer der sonstigen Kriterien nicht erfüllt ist. Letztendlich bleibt bei einer solchen Abschlussbilanz die Aussage in den Medien zu befürchten: „Den sächsischen Bauern ginge es gar nicht so schlecht, wie die mangelnde Inanspruchnahme der Hilfsgelder zeige.“ Das alles ist höchst unbefriedigend. Deshalb werden wir uns als sächsische berufsständische Interessenvertretung erneut und kraftvoll für die Einführung einer steuerbegünstigten Risikorücklage und parallel dazu für eine staatlich geförderte Versicherungslösung als Risikovorsorge einsetzen. Gerade jetzt müssen diese Forderungen endlich politisch auf den Weg gebracht und durchgesetzt werden. Wir Landwirte sind es leid, wegen nicht von uns zu verantwortenden Verlusten immer als Bittsteller nach dem Staat rufen zu müssen. Nein, wir sind und wollen Unternehmer sein und unsere Risiken, in welcher Form auch immer, selbst absichern. Dafür werde ich mich mit aller Kraft auch als Vizepräsident des Deutschen Bauernverbandes einsetzen.
Im Namen des Landesvorstandes und ganz persönlich wünsche ich Ihnen eine besinnliche Weihnachtszeit im Kreise Ihrer Familie und für das kommende Jahr Gesundheit, Kraft und viel Erfolg!

Ihr Wolfgang Vogel
Präsident des Sächsischen Landesbauernverbandes e.V.
Vizepräsident des Deutschen Bauernverbandes e.V.


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